In Zusammenarbeit mit der Solothurner Spitäler AG reden wir diese Woche über Krebs.
Foto: zvg soH
Sponsored Content

Radio 32 Themenwoche – Leben mit Krebs

In Zusammenarbeit mit der Solothurner Spitäler AG werfen wir diese Woche einen Blick auf ein Thema, welches oft noch tabu ist: Krebs. Experten berichten, wie es um die Forschung steht und wie die Behandlung einer Krebserkrankung ablaufen kann.

Prostatakrebs

Etwas mehr als 6'000 Männer erkranken jährlich in der Schweiz an Prostatakrebs. Das ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern über 50 Jahre. Obwohl Prostatakrebs immer bösartig ist, gehört er zu den Krebsarten mit den grössten Heilungschancen. Aber nur, wenn er früh genug entdeckt wird. Deshalb rät der Chefarzt der Abteilung Urologie an den Solothurner Spitälern, Tobias Heinrich, eine regelmässige Vorsorgeuntersuchung für alle Männer ab 45 Jahren.

Eine maximale Therapie bei Prostatakrebs muss nicht immer die beste sein.

Foto: zvg soH

Es gibt verschiedene Arten von Prostatakrebszellen. Manche vermehren sich sehr rasch und aggressiv, andere haben ein sehr langsames Wachstum. Prostatakrebs ist heilbar, wenn er auf die Prostata begrenzt ist oder nur wenig über die Prostata hinauswächst. Hat der Tumor aber andere Körperregionen befallen, verfolgt die Behandlung zwei Ziele: Das Leben verlängern und Lebensqualität möglichst hochhalten.

Eine auf den Patienten zugeschnittene Hormontherapie verlangsamt das Wachstum der Krebszellen – auch ausserhalb der Prostata. Unter Umständen kann eine zusätzliche Chemotherapie den Krankheitsverlauf weiter verzögern. Gibt es bereits Tumorabsiedelungen in den Knochen, wird eine gezielte Bestrahlung in Betracht gezogen. Gegen die Schmerzen hilft eine gut abgestimmte Schmerztherapie.

Immer wichtiger ist auch der Austausch innerhalb der Fachdisziplinen. In sogenannten Tumorboards werden von Fachärztinnen und Fachärzten der Radiologie, der Allgemeinen Inneren Medizin, Onkologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, Nuklear- oder Palliativmedizinern komplexe Fälle gemeinsam besprochen. Der Patient profitiert dabei vom Wissen vieler Fachrichtungen. Nicht immer kann die Behandlung aber die Verlängerung des Lebens mit einer gleichzeitig hohen Lebensqualität erreichen. «Die maximale Therapie muss nicht immer die beste sein», so Tobias Heinrich. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt alle Behandlungsoptionen sorgfältig abzuwägen.

17. Juni 2022 - 11:36

Prostatakrebs Audiozusammenfassung

Radio 32

Bewegungstherapie während der Krebsbehandlung

Es ist erwiesen, dass Sport nicht nur vor Krebs schützen kann sondern auch den Therapieverlauf positiv beeinflusst. Deshalb ist Bewegungstherapie heute ein fester Bestandteil der Krebsbehandlung.

Besonders die Gruppentherapien sind wertvoll.

Foto: zvg soH

Nicht immer aber ist es so einfach. Krebspatientinnen und -patienten sind während oder kurz nach einer Krebsbehandlung mental und auch körperlich sehr beansprucht. Für Menschen in solchen Situationen braucht es manchmal enorm viel Kraft, mit einer Bewegungstherapie zu beginnen – insbesondere, wenn jemand vor der Krebserkrankung nur wenig Sport machte.

«In unserem Programm geht es darum, eine Bewegungsform zu finden, die einem Freude macht», sagt Physiotherapeutin Iris Huskey, zuständig für das Bewegungsprogramm am Bürgerspital Solothurn. Am besten eignen sich dazu moderate Sportarten, dreimal die Woche. Wer vorher noch nie joggte, beginnt besser mit Nordic Walking, wer noch nie in einem Kraftraum war, führt besser leichte Übungen mit dem eigenen Körpergewicht durch. Gerade während einer Krebstherapie ist ein Trainingsplan wichtig, welcher Rücksicht auf das Krankheitsstadium nimmt.

Für die Motivation kann eine Gruppentherapie sehr wertvoll sein. Viele hätten vor der ersten Gruppenstunde mit Ängsten zu kämpfen, stellten sich Fragen wie «Was, wenn ich die Langsamste bin?» oder «Bin ich genügend fit, um mit anderen mithalten zu können?». Fast alle Patientinnen und Patienten hätten in der Gruppe aber ein Aha-Erlebnis, wenn sie realisierten, dass andere mit denselben Herausforderungen kämpften wie sie selbst, so die Physiotherapeutin.

Am Ende der Gruppentherapie möchten die meisten Patienten die Bewegungstherapie weiterführen oder treffen sich anschliessend sogar in privat organisierten Gruppen.

17. Juni 2022 - 11:36

Bewegungstherapie während der Krebsbehandlung Audiozusammenfassung

Radio 32

Kommunikation bei Krebserkrankungen

Reden über Krebs ist nicht nur für Patientinnen und Patienten eine grosse Herausforderung, sondern auch für medizinische Fachpersonen. Dr. med. Martin Kälin erklärt warum und wie man diesen Herausforderungen begegnen kann.

Dr. med. Martin Kälin, Leitender Arzt Onkologiezentrum, Kantonsspital Olten

Foto: zvg soH

Weshalb ist Kommunikation bei Menschen mit einer Krebserkrankung so wichtig? Kälin: «Der Mensch wird von einer schweren Erkrankung plötzlich aus seiner Welt herausgerissen. In einem solchen Moment brauchen Patientinnen und Patienten jemanden, der versucht, ihre Sprache zu sprechen. Eine ungenügende Kommunikation kann zu einem Vertrauensverlust führen.»

Krebs ist für viele Menschen immer noch ein Tabuthema. Man spricht nicht öffentlich darüber. Wieso? Kälin: «Für viele Menschen kommt die Diagnose Krebs immer noch einem Todesurteil gleich, ist mit Scham verbunden. Menschen tragen Perücken, um den Haarausfall zu verstecken. Wir müssen dem Thema Raum geben, müssen aber auch respektieren, wenn Betroffene sich nicht nach aussen öffnen wollen.»

Wie finden Sie als Arzt den Draht zu Patientinnen und Patienten? Kälin: «Indem ich zuhöre.»

Gibt es Daten dazu, ob eine gute Kommunikation Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf hat? Kälin: «Eindrucksvolle Studien der Medizin haben gezeigt, dass das Überleben von Menschen verlängert werden konnte, wenn sie einmal pro Woche telefonisch kontaktiert wurden. Das aus meiner Sicht Wichtigste ist aber die Frage nach dem Leben selbst und ob es einem gelingt, mit der Erkrankung das Leben zu führen, das man möchte.»

17. Juni 2022 - 11:36

Kommunikation bei Krebserkrankungen Audiozusammenfassung

Radio 32

Brustkrebs Frühuntersuchung

Es ist eine Einladung, die man annehmen sollte. Alle zwei Jahre werden im Kanton Solothurn Frauen über 50 Jahre schriftlich zu einer Vorsorgeuntersuchung eingeladen. Damit lässt sich Brustkrebs nicht verhindern, aber früh entdecken.

Im Bild Dr. med. Franziska Maurer, Chefärztin der Frauenklinik mit Dr. med. Andreas Barth, Leitender Arzt Onklogiezentrum.

Foto: zvg soH

Verglichen mit anderen Kantonen lassen sich im Kanton Solothurn überdurchschnittlich viele Frauen untersuchen, betont die Chefärztin der Frauenklinik, Dr. med. Franziska Maurer. Das hat mit der Sensibilisierung zu tun.

Brustkrebs gehört mit rund 6'200 Erkrankungen jährlich nach wie vor zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Aber auch rund 50 Männer erkranken daran pro Jahr. Die sogenannte Mammografie ist die wichtigste Methode, Brustkrebs früh genug erkennen zu können. Dabei wird die Brust geröntgt um präzise Schichtbilder zu erhalten. Die Strahlendosis ist bei modernen Geräten sehr gering.

Rasche Reaktion ist wichtig! 250 von 1000 Frauen, haben einen auffälligen Befund und brauchen weitere Abklärungen. Deshalb sei ein zeitnahes Aufgebot innerhalb von 24 Stunden sehr wichtig. Bei 185 der 250 Frauen kann anschliessend Entwarnung gegeben bei 65 Frauen muss Brustkrebs behandelt werden.

Unnötige Belastungen? Kritiker reden von Überdiagnosen und belastenden Momenten für Frauen, bei denen am Ende doch kein Brustkrebs festgestellt werde. Die Chefärztin meint dazu: «Die Behandlungsmöglichkeiten bei einem früh entdeckten Brustkrebs sind nicht nur erfolgreicher sondern auch viel schonender, als wenn wir den Krebs erst in einem späten Stadium entdecken.» Deshalb lohnt es sich, diese Einladung der Frauenklinik nicht auszuschlagen.

17. Juni 2022 - 11:36

Brustkrebs Frühuntersuchung Audiozusammenfassung

Radio 32

Krebs was jetzt?

Mindestens eine von fünf Personen erkrankt in der Schweiz vor dem 70. Lebensjahr an Krebs. Oft weiss man nicht warum. Aber meistens kann man etwas dagegen tun. Experten schätzen, dass etwa ein Drittel der Krebserkrankungen durch Vermeiden von Risikofaktoren wie Tabak oder Alkohol verhindert werden könnte.

Eine Krebsbehandlung ist komplex: Operationen, Bestrahlungen, radiologische
Untersuchungen, Medikamententherapien und psychische Betreuung – und manchmal
alles zusammen.

Foto: zvg soH

Chefarzt Julian Schardt und Fachexpertin Marlis Bogaert erzählen von ihrer Arbeit im Behandlungszentrum für Onkologie und Hämatologie im Zusammenhang mit Krebs.

Julian Schardt und Marlis Bogaert auf dem Balkon des Onkologiezentrums am Bürgerspital Solothurn.

Foto: zvg soH

In der Schweiz gibt es jedes Jahr 43'000 neue Krebserkrankungen. Ist das zu viel? Bogaert: «Jede Krebserkrankung ist grundsätzlich eine zu viel. Aber die meisten lassen sich leider nicht vermeiden.»

Schardt: «Krebs ist eine Erkrankung der Gene und ein Ausdruck der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft. Mit jedem Jahr, das wir älter werden, steigt rein statistisch gesehen das Risiko einer Krebserkrankung.»

Wo stehen wir bei Krebsbehandlungen? Bogaert: «Es gibt immer mehr Menschen, die auch mit Krebs leben können. Ebenso hat die Nachbetreuung in Form der ambulanten Rehabilitation an Bedeutung gewonnen.»

Schardt: «Eine grosse Entwicklung gibt es im Bereich der Immuntherapien: Dabei wird das natürliche Immunsystem des Patienten genutzt um gezielt die Krebszellen bekämpfen zu können. Eine weitere Entwicklung findet im Bereich der zellulären Therapien statt: Patienten werden körpereigene Immunzellen entnommen und genetisch so modifiziert, dass sie nach der Rückgabe im Patienten gezielt Krebszellen eliminieren.»

Haben diese neuen Behandlungsmethoden weniger Nebenwirkungen? Schardt: «Das lässt sich leider nicht verallgemeinern, die neuen Behandlungsmethoden sind bei vielen Tumorerkrankungen zwar viel effizienter als eine Chemotherapie, bringen aber sehr spezifische und zum Teil auch schwere Nebenwirkungen mit sich. In den meisten Fällen lassen sich diese durch den Einsatz von Medikamenten abfedern.»

Krebs wird immer mehr in sogenannten Behandlungszentren behandelt. Was ist der Vorteil? Schardt: «Zertifizierte Behandlungszentren wie das Brustkrebs- oder das noch im Aufbau befindliche Darmkrebszentrum am Bürgerspital Solothurn erfüllen sehr hohe Qualitätskriterien. Die Behandlung in Zentren führt auch dazu, dass alle Berufe und Spezialisten unter einem Dach sind.»

17. Juni 2022 - 11:36

Krebs was jetzt? Audiozusammenfassung

Radio 32
Quelle: Radio 32
veröffentlicht: 17. Juni 2022 11:49
aktualisiert: 24. Juni 2022 09:49