Die Nutzerinnen und Nutzer wenden sich immer mehr von Tinder ab.
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Kennenlernen

Die Dating-Plattform Tinder wird immer unbeliebter

Zwar noch immer ist Tinder die beliebteste Dating-App. Doch die Nutzerzahlen stagnieren, der Kurs des Konzerns stürzt ab. Andere Online-Dating-Dienste treffen eher den Nerv der jungen Generation.

Online-Dating boomt. Insbesondere durch die Pandemie haben viele Menschen an Dating-Apps Gefallen gefunden. Andere Möglichkeiten, Personen kennenzulernen, waren in dieser Zeit stark eingeschränkt.

Klarer Platzhirsch in diesem Feld ist Tinder, die App, die 2012 lanciert worden ist, ist mittlerweile in 190 Ländern verfügbar. Doch die Blütezeit scheint vorbei, die Userzahlen stagnieren. Der Kurs der Match Group, dem Unternehmen hinter Tinder, ist innert eines Jahres um über 60 Prozent eingebrochen – obwohl die Firma noch immer 3,2 Milliarden Dollar Gewinn machte.

Tinder hat ein schlechtes Image

Ganz anders die Entwicklung beispielsweise bei ähnlichen Plattformen wie «Bumble» und «Hinge», die massiv zulegen. Allerdings sind sie insbesondere in der Schweiz im Vergleich zu Tinder noch kleine Fische.

Das Problem: Tinder hat bei der jüngeren Generation ein schlechtes Image – unverbindliches Dating, One-Night-Stands und Affären. Zwar versucht das Unternehmen seit bald einem Jahr dieses Image zu korrigieren, wirklich wahrgenommen wird das von den Userinnen und Usern aber kaum. Laut Analysten sind unverbindliche Treffen schlicht nicht mehr in.

Kreative Funktionen

Da passen die Ansätze der anderen Dating-Apps viel besser zum Lebensgefühl der jüngeren Menschen. Bei Bumble haben zum Beispiel die Frauen die Kontrolle. Starten sie bei Matches nicht innert 24 Stunden eine Unterhaltung mit dem Mann, wird die Verbindung gelöst. Bei queeren Leuten können beide zuerst schreiben.

Hinge hingegen wirbt damit, dass langfristige Beziehungen gesucht werden. Die App sei «designed to be deleted» («entwickelt, um gelöscht zu werden»). Das Profil kann auch mit Sprachnotizen ergänzt werden.

Kein One-Night-Stand und keine langfristige Beziehung

Das Datingverhalten hat sich verändert. Die Generation Z hat ein stärkeres Bewusstsein für verschiedene Geschlechter oder sexuelle Orientierungen. Nur weil diese Generation aber weniger lockere One-Night-Stands will, heisst das nicht, dass sie direkt auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung sind.

Die neue Beziehungsform nennt sich «Situationship». Dabei handelt es sich um eine lockere Verbindung ohne feste Verpflichtungen. Geborgenheit ist schön und gut, aber Freiheiten müssen eben doch auch sein.

Die Match Group muss trotz des Kursverlustes wegen Tinder nicht gleich nervös werden. Sie steckt auch hinter Hinge und rund einem Dutzend weiterer Dating-Apps. Bumble hat übrigens auch eine Verbindung zu Tinder: Gegründet wurde die App von Whitney Wolfe Herd, der früheren Marketingchefin und Mitgründerin von Tinder, die das Unternehmen damals verliess, nachdem sie eine Klage wegen sexueller Belästigung bei Tinder einreichte.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Januar 2023 11:12
aktualisiert: 19. Januar 2023 11:12
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