Bei gewissen Schweizer Banken können Kinder ab sechs Jahren eine eigene Karte erhalten.
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Sackgeld

Eine Bankkarte für Sechsjährige – ist das die Zukunft?

Kein Münz mehr, sondern eine Karte im Geldbeutel: Kinder erhalten ihr Sackgeld vermehrt digital. Immer mehr Schweizer Banken lancieren jetzt ein digitales Bezahlangebot für Kinder. Laut Pro Juventute ist Bargeld anfangs aber immer noch wichtig.

Ein sechsjähriges Mädchen bezahlt ihr Süssigkeiten-Säckli mit der Bankkarte anstatt eines Fränklers. Ein ungewohntes Bild. Doch das könnte in Zukunft zur Normalität werden. Immer mehr Banken lancieren Apps und Konten, womit Kinder bereits ab sechs Jahren ihr Sackgeld digital verwalten – und mit Karte ausgeben können.

«Bargeld immer stärker aus dem Alltag verdrängt»

Digitale Konkurrenz fürs Sparschwein – das hat die Graubündner Kantonalbank zusammen mit der St.Galler Kantonalbank und dem Churer IT-Dienstleister Inventx entwickelt. «Unser Angebot ‹Gioia Kids› beinhaltet Konto, Karte und App für Kinder ab sieben Jahren, damit sie in einem sicheren Rahmen ihre digitale Finanzkompetenz aufbauen können. Die Eltern können das Ganze steuern», sagt Thomas Müller, Mediensprecher der Graubündner Kantonalbank.

Bei der St.Galler Kantonalbank gibt es das Angebot mit der «Minibank» bereits seit rund einem halben Jahr für Kinder ab sechs Jahren – und es läuft gut. «Wir haben viele neue Kontoeröffnungen, was unsere Erwartungen übertrifft», sagt Jolanda Meyer, Mediensprecherin der St.Galler Kantonalbank.

Kinderkonto auch im Mittelland möglich

Ähnliche Bezahlangebote für Kinder und Jugendliche gibt es auch von anderen Banken und Finanzdienstleistern. Bei der Grossbank Credit Suisse gibt es zum Beispiel das Angebot «Viva Kids», bei Twint gibt es eine Prepaid-Lösung und auch die Onlinebank Revolut hat ein Angebot für Kinder. So kann ein Kinderkonto auch im Mittelland erstellt werden.

Bargeld als Einstieg laut Pro Juventute immer noch wichtig

«Solche Angebote können eine gute Ergänzung sein, sofern das Kind den Umgang mit Geld bereits mit Bargeld geübt hat», sagt Lulzana Musliu, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit bei Pro Juventute. Das Kind soll aber langsam an die digitalen Angebote herangeführt werden. «Je nach Familie und Kind kann das schon ab sechs Jahren sein, in der Regel empfiehlt sich die Einführung jedoch später», sagt Musliu. In vielen Familien sehen jedoch die Kinder schon bei den Eltern, wie das digitale Bezahlen funktioniert und sind neugierig, wie es geht.

Durch den gesellschaftlichen Wandel in die digitale Welt habe das Angebot für digitales Sackgeld aber auf jeden Fall Zukunft – «die junge Generation ist immer am fittesten in der digitalen Welt», sagt Musliu. Sackgeld in physischer Form sei aber am Anfang doch noch wichtig. «Bargeld ist für Kinder viel greifbarer. Mit Münz und Noten können sie besser verstehen, dass man etwas abgeben muss, um etwas zu erhalten. Ausserdem merken sie dann in physischer Form, dass Geld einen Wert hat, weil es nicht ganz so abstrakt ist.»

Quelle: FM1Today & Radio 32
veröffentlicht: 29. August 2022 10:14
aktualisiert: 29. August 2022 10:14