Nur Bares ist Wahres

Beim Trinkgeld setzen viele immer noch auf Bargeld

Obwohl das Bezahlen immer digitaler wird, halten Schweizerinnen und Schweizer am Bargeld fest. Zumindest, wenn es ums Trinkgeld geht. Die Bereitschaft, den Extrabatzen zu bezahlen, ist aber nicht in der ganzen Schweiz gleich hoch.

Seit knapp 50 Jahren ist ein Trinkgeldanteil in der regulären Rechnung enthalten. Trotzdem geben rund 85 Prozent noch zusätzlich ein Trinkgeld obendrauf. Der Trinkgeldanteil ist in Restaurants somit deutlich höher als etwa in den Bereichen Beauty und Wellness (45%), Bars (41%) oder bei Transportdienstleistungen (41%), wie einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Zusammenarbeit mit dem Zahlungsdienstleister «Worldline» zu entnehmen ist. Für die repräsentative Studie wurden online knapp 1'200 Personen zwischen 18 und 76 Jahren in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz befragt.

Im Tessin wird geknausert

Zwischen den Sprachregionen gibt es im Trinkgeldverhalten deutliche Unterscheide. So geben rund 87 Prozent der Deutschschweizer Trinkgeld im Restaurant, in der Romandie sind es nur 82 Prozent und im Tessin gar nur 71 Prozent.

Auch beim Einkommen unterscheidet sich das Trinkgeldverhalten. Bei Personen mit einem Monatseinkommen unter 6'000 Franken geben vier von fünf Personen Trinkgeld. Bei einem monatlichen Haushaltseinkommen von über 9'000 Franken ist der Anteil mit 91 Prozent spürbar höher.

Für Junge gehört Trinkgeld zur Norm

Es gibt verschiedene Motivationen, warum Schweizerinnen und Schweizer im Restaurant dem Servicepersonal einen Zustupf geben. «Mit ihrem Trinkgeld wollen vier von fünf Befragten vor allem ihre Dankbarkeit gegenüber der Bedienung zum Ausdruck bringen», sagte Studienautor und ZHAW-Forscher Marcel Stadelmann bei der Präsentation.

Je rund ein Drittel war der Meinung, dass das Personal wegen des tiefen Lohns auf das Trinkgeld angewiesen ist, oder sie wollen der Bedienung eine Freude machen. Für weitere 31 Prozent gehört es in der Schweiz zur sozialen Norm, Trinkgeld zu geben. «Überraschenderweise ist diese Einschätzung bei jüngeren Personen deutlich stärker ausgeprägt als bei älteren», sagte Stadelmann weiter.

Smartphone hinkt hinterher

Der digitale Wandel ist beim Trinkgeld derweil noch nicht angekommen. Drei Viertel der Befragten geben das Trinkgeld noch in bar. Lediglich knapp ein Viertel bevorzugen eine Debit- oder Kreditkarte und nur ein Prozent nutzt das Smartphone.

Auch wenn die Rechnung mit der Karte bezahlt wird, zahlten ein Viertel der Befragten in der Deutschschweiz das Trinkgeld trotzdem in bar aus.

Geld kommt an

«Viele Kunden haben beim bargeldlosen Zahlen das Gefühl, dass das Geld so nicht direkt beim Personal ankommt», erklärte Stadelmann die Vorliebe für das Bargeld. In der Regel sei dies aber kein Problem, sagte er auf Nachfrage weiter. Der Gastronom könne an den digitalen Zahldaten ersehen, wie hoch das Trinkgeld an einem Tag war und den Betrag entsprechend verteilen. In der Praxis werde es in den Betrieben aber unterschiedlich gehandhabt.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 4. November 2022 09:42
aktualisiert: 4. November 2022 09:42