Die Bäume am Postplatz Solothurn werden frühzeitig gefällt.
Foto: AZM Solothurn
Früher als gedacht

Bäume am Solothurner Postplatz trotz Gegenstimmen gefällt

Der Postplatz ist abgesperrt, Polizisten sind vor Ort. Am Donnerstag kurz nach 13 Uhr ist es losgegangen: Die Bäume werden gefällt – und zwar viel früher als angekündigt. Gegner dieses Beschlusses wollten eigentlich noch nach Alternativen suchen.

Die Überraschung ist der Stadt Solothurn gelungen. Statt wie angekündigt am kommenden Montag ist schon am Donnerstagmittag der Postplatz mit grosser Polizeipräsenz abgesperrt worden und die Arbeiter sind mit einer schweren Maschine vorgefahren. Ihre Aufgabe: Die Bäume auf dem Postplatz zu fällen.

Die Umgestaltung des Postplatzes und die Fällung der Bäume haben in den vergangenen Tagen für viel Aufregung in Solothurn gesorgt. Die Bäume seien angeblich nicht gesund genug, um in das neue Konzept des Postplatzes zu passen. So beschloss der Gemeinderat, die alten Bäume zu entsorgen, um dann neue zu pflanzen.

Eine Petition für den Erhalt der Bäume wurde lanciert, mehr als 2'000 Unterschriften waren zusammengekommen. Eigentlich waren die Arbeiten für den kommenden Montag, 08. August, angekündigt worden.

Zwischen den Bäumen hing ein Transparent mit der Aufschrift «Gewachsen, um zu bleiben; Uns haut niemand um». Das beeindruckte die Kettensägen jedoch nicht. Das Transparent fiel mit den Bäumen zusammen zu Boden. Die Aktion schien schnell vonstatten zu gehen und der Polizeieinsatz sorgte dafür, dass niemand vor Ort eine spontane Baumrettung versuchte. Quasi wie eine Nacht- und Nebelaktion, aber tagsüber.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: AZM Solothurn

Die Reaktionen

Vor Ort war beispielsweise Ex-Gemeinderat Beat Käch. Der FDP-Mann hatte noch vor wenigen Tagen Transparente aufgehängt und auf politischem Weg versucht, das Fällen zumindest eines Baumes zu verhindern. Sein Kommentar zum Vorgehen der Stadt: «Oberfies».

5. August 2022 - 08:50

Beat Käch erläutert seinen Unmut

Radio 32

Die Bäume lagen auch Ariane Hausammann am Herzen. Die Geschäftsführerin von Pro Natura Solothurn hat vergangene Woche eine Petition zur Erhaltung der Bäume lanciert, über 2'000 Mal wurde sie unterzeichnet. Dass die Bäume nun nicht mehr sind, schockiert sie.

«Ich habe bis zum Schluss noch einen kleinen Hoffnungsschimmer gehabt, dass die Bäume – wenigstens der eine gesunde Spitzahorn auf dem Platz – hätten gerettet werden können», sagt sie. Zudem hatte sie sich mehr politischen Rückenwind erhofft: «Ich war enttäuscht von den Grünen, dass sich niemand aus dieser Partei für den Erhalt der Bäume eingesetzt hat».

Mögliche Gründe

Für den Freitagmorgen, ein paar Tage vor dem eigentlichen Termin der Fällung, hat der neu gegründete Zusammenschluss des Postplatz eine «Mahnwache» angekündigt. Diese spekulieren, dass die Stadt Solothurn wohl Angst vor den negativen Bildern und Schlagzeilen hatte, die eine polizeiliche Räumung der Mahnwache mit sich hätte bringen könnte.

Darüber ist auch die Initiantin des Zusammenschlusses, Canan Öner, enttäuscht. «Es ist nicht in Ordnung, dass man das Fällen nun vorgezogen hat», sagt sie. Die Stadt sei so jeglicher Diskussion aus dem Weg gegangen.

«Wir haben aber aus dieser Aktion gelernt», sagt Öner weiter. Die Vereinigung sei nun motiviert, vermehrt am politischen Geschehen teilzunehmen. Sie wolle damit erreichen, dass Bäume ab einer gewissen Grösse geschützt und besser in künftige Bauvorhaben integriert werden.

Und was sagt die Stadt Solothurn zu dieser überstürzten Baumfällaktion? Nicht viel: «Es war klar, dass das Projekt so nicht mehr zu stoppen ist. Wir stützen uns auf einen Beschluss der Gemeindeversammlung. Die Vorbereitungsarbeiten waren angelaufen, deshalb haben wir entschieden, die Bäume heute zu fällen», sagt Stadtpräsidentin Stefanie Ingold.

5. August 2022 - 13:10

Am Tag darauf muss sich Stefanie Ingold den kritischen Stimmen stellen

Radio 32
Quelle: Solothurner Zeitung & Radio 32
veröffentlicht: 5. August 2022 08:46
aktualisiert: 5. August 2022 13:11