Die Blatt-Glasschüssel ist anscheinend nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland äusserst beliebt.
Foto: PD Luminarc
Blattmuster

Wieso haben alle diese Schüssel?

Die Schüssel mit Blattmuster ist wohl in den meisten Küchen der Schweiz zu finden – sicherlich kennst auch du sie. In Deutschland gilt sie quasi als Klassiker. Doch wieso eigentlich – und was hältst du von ihr?

Ohne Schüssel geht wenig in einer Küche, sie ist ein absolut triviales Kochutensil, unverzichtbar bei der Essensproduktion. Wohl deshalb gibt es sie in allen Farben und Formen. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet ein spezielles Modell in so vielen Küchen im Land zu finden ist: Die Schüssel mit dem Blattmuster, innen glatt, aussen gerillt wie das Muster eines Espenblatts.

Sie kommt aus Frankreich

Doch nicht nur Herr und Frau Schweizer scheinen einen Narren an der Blatt-Schüssel gefressen zu haben. Auch in Deutschland ist sie angeblich sehr beliebt. Die deutsche Wochenzeitung «Zeit» hat sich deshalb auf Spurensuche gemacht und versucht herauszufinden, wieso diese Schüssel, anscheinend im ganzen deutschsprachigen Raum, äusserst populär ist. Mit interessanten Erkenntnissen.

Das Modell, das in verschiedenen Grössen mit bis zu 27 Zentimetern Durchmesser in praktisch jedem Onlineshop erwerbbar ist, stammt gar nicht aus der Deutschland oder der Schweiz, nein, es ist die französische Firma Luminarc, welche die Schüssel produziert und vertreibt. Ihr offizieller Name lautet «Serie Aspen» – was, ziemlich naheliegend, auf Deutsch «Espe» bedeutet.

Entwickelt wurde sie 1978 vom damaligen Luminarc-Chef Jacques Durand, der die Inspiration dazu bei einem Spaziergang auf dem Firmengelände fand. Angeblich habe niemand in der Firma seine Idee gut gefunden, wie «Die Zeit» im Gespräch mit der heutigen Luminarc-Geschäftsführung herausfand.

Ein Verkaufsschlager im deutschsprachigen Raum

Doch anscheinend bewies der Chef ein gutes Gespür, insbesondere für die Vorlieben der Deutschen, der Schweizer und der Österreicher. Denn die Schüssel wird in Frankreich nach mehr als 40 Jahren nach wie vor produziert – extra für den deutschsprachigen Raum. Rund eine halbe Million Exemplare werden jährlich abgesetzt. Auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit seien es bis zu 15 Millionen verkaufter Schüsseln gewesen.

Aber weshalb ist die Schüssel bei deutschsprechenden Menschen so unglaublich beliebt? «Die Zeit»-Journalistin Sara Geisler wälzte die Frage rauf und runter, stellte Hypothesen auf und verwarf sie wieder, sprach mit Politikern, Materialforschern, Verkäuferinnen und Produktdesignern darüber – und erkannte den Grund für den Erfolg der Schüssel in ihrer Unkonventionalität und ihrem Eigenwillen.

Gespaltene Meinungen

Eine mögliche Theorie hat Geisler aber ausser Acht gelassen: Deutschen wie Schweizern sagt man gelegentlich nach, dass sie sehr rational funktionieren – könnte es nicht auch sein, dass es für das pragmatische deutsche und schweizerische Gemüt einfach wahnsinnig viel Sinn ergibt, Salat in einer Schüssel zu servieren, die irgendwie nach Natur, nach grün aussieht?

Wir wissen es nicht. Genauso wenig, wie wir uns einig sind, ob die Schüssel denn nun stilvoll daherkommt oder nicht.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 25. Januar 2022 16:21
aktualisiert: 25. Januar 2022 16:21