Advent vor dem Advent

Wer kauft im Herbst schon Christbaumschöggeli?

In den Grossverteilern ist bereits die Adventszeit ausgebrochen. Das festliche Angebot scheint aber weitgehend unberührt zu bleiben. Das sagen Migros, Coop und eine Konsumentenvertreterin dazu.

Draussen scheint die Sonne bei über 20 Grad. Drinnen fühlt es sich an, als hätte es einen zwei Monate in die Zukunft katapultiert. In der Migros etwa stechen Kundinnen und Kunden bereits Ende Oktober prall gefüllte Körbe mit Kugeln, Samichläusen und Tannenzapfen aus Schokolade ins Auge.

Die Adventszeit ist auch schon in den Regalen daneben ausgebrochen. Schöggeli-Kalender und Lindt-Samichläuse stehen wie bestellt und nicht abgeholt in den Regalen. Und als müssten die längst gebackenen Weihnachtsguetzli nur noch hübsch verpackt werden, sind Gebäckdosen mit verschiedenen Designs im Angebot. Zugreifen sieht man niemanden. Ein ähnliches Bild geben zurzeit auch andere Filialen und solche von Coop ab.

«Viele Produkte sind im Herbst gefragt»

Doch offenbar täuscht der Eindruck, dass Kundinnen und Kundinnen im Herbst noch einen grossen Bogen um die Adventsprodukte machen. «Sobald es kühler wird, befassen sich viele unserer Kundinnen und Kunden mit der Voradventszeit und Weihnachten. Viele Produkte unseres Weihnachtssortiments sind deshalb bereits im Herbst gefragt», sagt Petra Juric der Medienstelle von Migros auf Anfrage.

Zu Beginn der Einführung des Weihnachtssortiments in den Filialen sei das Kaufverhalten stark wetterabhängig, so Juric. Als Beispiel nennt sie die letzte Woche mit Temperaturen bis zu 20 Grad. «Die Produkte werden trotzdem sehr gut verkauft. Deshalb führen wir es bereits ab Oktober.»

Wahlfreiheit sei wichtig

Laut Juric ist die Vorweihnachtszeit mit den kurzen und immer kälter werdenden Tagen für viele Kundinnen und Kunden die gemütlichste Zeit des Jahres. «Viele Personen befassen sich frühzeitig mit dem Basteln eines Adventskalenders.» Dazu biete auch die Migros schon viele Anregungen und ein buntes Sortiment für kleine Überraschungen. «Kerzen und andere Dekorationen sind bei vielen Kundinnen und Kunden im Herbst sehr gefragt.» Auch Süssigkeiten und Frischteige zum Backen zählten zu den besonders beliebten Produkten.

Ähnlich klingt es bei Coop. «Wir richten uns mit diesem Angebot nach den Bedürfnissen unserer Kundinnen sowie Kunden und verzeichnen eine entsprechende Nachfrage», sagt Mediensprecher Caspar Frey. Für Coop sei wichtig, dass die Kundschaft die Wahlfreiheit habe und so früher oder später Weihnachtsprodukte einkaufen könne. «Wie jedes Jahr empfehlen wir, die Weihnachtseinkäufe nach Möglichkeit frühzeitig zu tätigen.»

«Es ist völlig lächerlich»

Babette Sigg Frank, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums (KF), zweifelt daran, dass das weihnachtliche Angebot aktuell ein echtes Kundenbedürfnis abdeckt. «Draussen ist es noch 20 Grad warm. Es ist völlig lächerlich, jetzt mit Weihnachtsdeko und Christbaumschöggeli aufzufahren», kritisiert sie. Sie könne sich nicht vorstellen, dass jemand bereits Christbaumschöggeli kaufe. «Wenn ja, wäre die Schoggi bis Weihnachten sowieso längst aufgegessen.»

Vereinzelt möge es Kundinnen und Kunden geben, die im Herbst schon Adventsartikel kauften, vermutet Sigg Frank. «Einen Weihnachtskalender kann man mit den Kindern nicht zwei Tage vor dem ersten Advent basteln.» Dennoch wäre es ihrer Meinung nach immer noch früh genug, entsprechende Produkte ab Mitte November anzubieten.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 2. November 2022 09:56
aktualisiert: 2. November 2022 10:04