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Quelle: ArgoviaToday

Ruhe!

Laubbläser – Hilfreich aber laut! Forstbetriebe wehren sich

Endlich kann man mal wochentags ausschlafen, träumt gerade selig vom Sonnenbad in der Karibik, ist warm eingekuschelt und dann wird man vom Laubbläser aus dem Schlaf gerissen. Notwendiges Übel oder unsinnige Lärmmacherei? Nun gibt es sogar politische Vorstösse.

Im Herbst kommen sie zum Einsatz: Laubbläser. Als Hilfstool sollen sie den/die Benutzer/in dabei unterstützen, Laub schneller auf einen Haufen zu bringen, als beispielsweise ein herkömmlicher Besen. Doch im Gegensatz zum Besen können die meist mit Akku betriebenen Laubbläser einen ordentlichen Lärm verursachen. Dazu kommt noch, dass diese Gadgets teilweise zu unerfreulichen Zeiten in Betrieb genommen werden. Klar also, dass nicht jede Person Fan davon ist, wie in einer Strassenumfrage im Video oben zu sehen ist.

Kanton Aargau macht ernst

Laubbläser würden zunehmend übermässig und unsinnig eingesetzt. Darüber ärgere sich die Bevölkerung. Dieser Meinung sind einige Aargauer Politiker, welche die Motion «Unterbinden von unsinnigen Laubbläsereinsätzen» in die Wege geleitet haben. Zentraler Anstoss hierfür ist der SP-Grossrat Martin Brügger. Mit an Board sind aber auch Politiker/innen der GLP, EVP, der Mitte und der Grünen.

Es gebe Gemeinden, welche sogar im Wald mit «forciertem Einsatz» von regelrechten «Laubbläser-Teams» fast täglich versuchen würden, jedes Laubblatt von den Wegen wegzublasen. Das generiere nicht nur viel Lärm und CO2-Emissionen, sondern binde auch viele Ressourcen, schade der Biodiversität und vermindere die Möglichkeiten, sich zum Beispiel im Wald zu erholen, heisst es im Motions-Text.

Es gehe den Initianten nicht um das Verbot von Laubbläsern in unwegsamen Gebieten. Aber die kantonale Regierung habe auch Vorbildfunktion, denn durch den unüberlegten Einsatz von Laubbläsern würden auch Private animiert, ihre Grundstücke mit den lauten Maschinen vom Laub zu befreien.

Ob ein solcher Vorstoss auch im Kanton Solothurn Gehör finden würde, bleibt abzuwarten.

Update: Forstbetrieb Jura wehrt sich!

Dem Forstbetrieb Jura gingen die Vorwürfe der Motion zu weit. In einem Facebook-Post haben sie deshalb den Gebrauch von Laubbläsern in den Wäldern gerechtfertigt.

Christoph Schmid, Präsident des Aargauischen Försterverband erklärt, weshalb es seiner Meinung nach wichtig ist, dass man im Wald Laub bläst:

«Die Leute finden die Blätter schön und farbenfroh. Da ergibt es Sinn, wenn sie nicht verstehen, dass man sie entfernen muss.» Auch habe es nichts mit einer Rutschgefahr zu tun, sondern damit, dass das Laub vermodert und sich dadurch eine Humusschicht bildet. «Diese Schicht macht die Waldwege kaputt. Es würde sicher auch passieren, dass sich die Leute über den Hummus beklagen würden», so Schmid.

Der Versuch, die Blätter über mehrere Jahre einfach liegenzulassen, damit die Laubbläser nicht zum Einsatz kommen, wurde auch schon umgesetzt. «Das hat jedoch verursacht, dass der Aufwand noch grösser wurde, da man die Humusschicht entfernen musste, welche die Entwässerungsgräben gefüllt haben», so Schmid.

Tagtäglich entfernen sie die Blätter jedoch nicht von den Waldwegen: «Wir machen das nur einmal im Jahr.» Denn auch den Förstern ist bewusst, dass das Laubblasen grossen Lärm verursacht. Zudem kommt: «Mit Traktor und Laubbläser ist man sehr schnell und es dauert kaum länger als 15 Minuten, bis der Lärm ins nächste Waldgebiet verschwindet und wieder Ruhe einkehrt.»

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 15. November 2021 06:06
aktualisiert: 23. November 2021 09:52