Einer der vielen Brände im Wasseramt: Eine Futter- und Lagerhalle in Kriegstetten wurde zerstört.
Foto: AZM Solothurn
Brände im Wasseramt

Geht der Feuerteufel wieder um?

Die Brandserie im Wasseramt liess so manchen Bewohner kaum mehr ruhig schlafen. Nach vielen Bränden wurde eine verdächtige Person festgenommen, dann aber wieder freigelassen. Nun kam es in der Gemeinde Oekingen erneut zu einem Zwischenfall.

Update: Am vergangenen Wochenende brach ein Feuer an der Waldstrasse in Oekingen in einem Holzschopf aus. Menschen kamen dabei keine zu Schaden. In der Region weckt der Brand böse Erinnerungen an die Brandserie des mutmasslichen Feuerteufels.

Quelle: Tele M1

Als die Feuerwehr eintraf, stand die eine Dachstockhälfte bereits in Vollbrand. «Es ist erschreckend, was hier immer wieder passiert. Plötzlich ist es so nah», berichtet Anwohnerin Verena Aebi-Affolter, die vom Brand aus dem Schlaf gerissen wurde.

Das Feuer ist vermutlich von einem brennenden Auto auf das Holzdach übergegangen. Bei vielen Wasserämtern kommen Erinnerungen an die unheimliche Brandserie im letzten Frühling auf. Ganze zwölf Mal hat es im April und Mai 2022 gebrannt. «Sicher war das Brandstiftung. Das Auto fängt nicht einfach so an zu brennen. Das hat jemand angezündet», ärgert sich ein anderer Anwohner.

Schuld an der Bandserie im letzten Frühling soll laut der Solothurner Staatsanwaltschaft ein 33-jähriger Feuerwehrmann sein. Dieser bestreitet jedoch die Taten. Brisant: Seit zwei Monaten ist der Mann wieder auf freiem Fuss.

Noch ist nicht geklärt, ob es sich beim neuen Feuer um eine Brandstiftung, geschweige denn um den gleichen Feuerteufel handelt: «Es ist noch unklar, es könnte auch ein technischer Defekt am Auto gewesen sein. Wir werden jetzt unsere Arbeit aufnehmen, um die Ursache zu finden», erklärt Dario Panzeri von der Kantonspolizei Solothurn. Im Wasseramt hofft man, dass die Brandermittler von der Polizei die Ursache bald klären können.

Hier kannst du dir die vergangenen Berichterstattungen zum Fall Feuerteufel nochmals durchlesen:


Zuletzt wurde der Brand-Verdächtige aus der verlängerten Untersuchungshaft freigelassen, da angeblich keine Anzeichen einer Wiederholungstat beständen. Nun äussert sich auch die vermeidliche Wohngemeinde des Beschuldigten. In einem Communiqué an die Einwohnerinnen und Einwohner, versucht der Gemeindepräisdent von Kriegstetten, Simon Wiedmer, die Situation einzuordnen.

Zur Entlassung aus der Untersuchungshaft dürfe sich die Gemeinde inhaltlich eigentlich nicht äussern. Der Unmut derer wird aber zwischen den Zeilen klar: «Der Entscheid, den Beschuldigten aus der Untersuchungshaft zu entlassen, ist kein Entscheid über dessen Schuld oder Unschuld. Das Obergericht bestätigte den dringenden und teilweise sogar erdrückenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten in Bezug auf die Brandereignisse», so Wiedmer.

Man verstehe auch die Besorgnis der Bürgerinnen und Bürger von Kriegstetten. Dort habe sich die Nachricht über die Entlassung des Tatverdächtigen wie ein Lauffeuer verbreitet.

Der grösste Kritikpunkt kommt aber zum Schluss des Textes. Die Gemeinde Kriegstetten fände es sehr «unglücklich», dass der mutmassliche Täter nun weiterhin in Kriegstetten leben würde. Er sei zumindest aus «Regio Feuerwehr 4566» entlassen worden. Der angebliche Tatverdächtige war nämlich selber in der Feuerwehr der Region Wasseramt tätig.


Im Zusammenhang mit der Brandserie im Wasseramt hat das Obergericht entschieden, den 33-Jährigen Hauptverdächtigen aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Das Gericht erachtet eine Wiederholungsgefahr als nicht gegeben.

Diese Entscheidung kommt überraschend und ist für Aussenstehende doch recht fraglich, denn der beschuldigte Schweizer soll rund ein Dutzend Brände im Wasseramt gelegt haben.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Haftgericht die Untersuchungshaft für den Beschuldigten zuerst verlängert (Radio 32 hat berichtet). Der Beschuldigte hat aber zwischenzeitlich gegen den Entscheid des Haftgerichts über die Verlängerung der Untersuchungshaft Beschwerde erhoben.

Die zuständige Beschwerdekammer hat nun entschieden, den Beschuldigten aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Das Obergericht bestätigte zwar den dringenden Tatverdacht in Bezug auf mindestens elf Brandereignisse, erachtet aber den Haftgrund wegen Wiederholungsgefahr, gestützt auf das mittlerweile vorliegende psychiatrische Gutachten, als nicht gegeben.

Die Ermittlungen sind aus Sicht der Staatsanwaltschaft weit fortgeschritten, der Zeitpunkt der Anklageerhebung ist noch nicht bekannt.

20. Oktober 2022 - 15:58

Wir haben bei der Staatsanwalt nochmals nachgefragt: Was ist der Entlassungsgrund und wie weit sind die Ermittlungen?

Sophie Baumgartner, Medienbeauftragte der Staatsanwaltschaft Solothurn

Radio 32

Passanten im Wasseramt sind hingegen skeptisch:

21. Oktober 2022 - 11:54

Passanten sind pessimistisch

Radio 32
21. Oktober 2022 - 11:54

Passanten haben Zweifel am Gutachten

Radio 32

Die Beschwerdekammer, die den Entscheid schlussendlich gefällt hat, wollte zum jetzigen Zeitpunkt ihr Urteil nicht weiter ausführen.

Quelle: Tele M1


Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Solothurn in der Brandserie vom Wasseramt schreiten immer weiter voran. Dem Beschuldigen wird vorgeworfen, dass er für zwölf Brände verantwortlich sei. Die Untersuchungshaft des Beschuldigten wird zudem verlängert.

Im Wasseramt kam es seit Anfang April zu zahlreichen Bränden. Wie die Staatsanwaltschaft Solothurn in einer Mitteilung schreibt, stand dabei Brandstiftung im Vordergrund. Die Ermittlungen von der Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft Solothurn haben Ende Mai zu einer Festnahme eines Tatverdächtigen geführt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, für insgesamt 12 Brände verantwortlich zu sein.

Quelle: TeleM1

Zwei der Brände gehören nicht dazu

Weiter schreibt die Staatsanwaltschaft, dass Ermittlungen zeigen, dass die beiden Brände in Biberist vom 02. und 03. April 2022 nicht auf den Beschuldigten zurückzuführen sind.

Der Beschuldigte bestreitet, für die von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Brände verantwortlich zu sein. Das Gericht folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft deshalb teilweise und verlängert die Untersuchungshaft für den Beschuldigten um mehrere Wochen. Die Strafuntersuchung ist nach wie vor hängig.


Verdächtiger rückte zum Löschen aus

Nach Recherchen von «Blick» soll der Tatverdächtige eine Kaderposition in der Feuerwehr im Wasseramt haben. Also genau in dieser Region, in der mutmasslich 13 Mal Feuer gelegt wurde. Weiter mutmasst «Blick», dass der Verdächtige als Mitglied der Pikett-Truppe bei den Löscharbeiten der von ihm gelegten Bränden mit dabei war.

Weder die Gemeinde, Polizei, noch die Feuerwehr wollte sich zu dem Tatverdächtigen äussern. Zudem soll der Tatverdächtige einen direkten oder indirekten Bezug zu den Orten gehabt haben, wo die Brände ausbrachen. Über ein mögliches Motiv für die Brandserie ist noch nichts bekannt. Es bleibt aber noch abzuwarten, ob es sich wirklich um die richtige Person handelt.

Quelle: TeleM1

Nicht ungewöhnlich

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Feuerwehrmann einen Brand legt. Der Tatverdächtige würde also ins Täterprofil passen. So legte ein freiwilliger Feuerwehrmann aus der Region Reconvilier BE 15 Brände zwischen den Jahren 2012 und 2014. Bei den Löscharbeiten war der Täter immer mit dabei.

Seit Wochen hält eine Brandserie im Solothurnischen Wasseramt die Bevölkerung in Atem. Die Polizei ging schnell von einem Brandstifter aus. Die Brandserie im Wasseramt sorgte schweizweit für Schlagzeilen. Nach intensiven Ermittlungen konnten die Staatsanwaltschaft und Polizei nun einen Tatverdächtigen festnehmen. Es handelt sich um einen 33-jährigen Schweizer.

Das Haftgericht hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft für den Beschuldigten angeordnet. Für den Beschuldigten gelte aber vorerst die Unschuldsvermutung.

Ob sich der Tatverdacht gegen den Beschuldigten erhärten wird, werden die weiteren Ermittlungen zeigen. Die genauen Umstände der Brandstiftungen und ein allfälliges Motiv sind Gegenstand der weiteren Abklärungen.

27. Mai 2022 - 18:00

Festnahme in der Brand-Serie vom Wasseramt

Radio 32

Quelle: TeleM1

Seit Anfang April brannte es in verschiedenen Gemeinden im Wasseramt in regelmässigen Abständen, meist an den Wochenenden. Neben Waldhütten und Scheuen brannten auch ein Clubhaus, eine Lagerhalle, eine Schreinerei und zuletzt ein Schulhaus. Die Einzelheiten der letzten Brände sind nachfolgend noch ausführlicher beschrieben:

Die Feuerwehr im Wasseramt rückte ein weiteres Mal aus. Dieses Mal zum alten Schulhaus in Kriegstetten. Dort wurde der Polizei eine starke Rauchentwicklung gemeldet.

Die starke Rauchentwicklung konnte durch raschen Löscheinsatz und mittels Hochleistungslüfter unter Kontrolle gebracht werden. Verletzt wurde niemand. Spezialisten der Kantonspolizei haben umgehend Ermittlungen zur Ursache aufgenommen. Ob es wirklich der Feuerteufel war, kann man aktuell noch nicht sagen.

Quelle: TeleM1

Schon die vorherigen Vorfälle waren besorgniserregend. Ein Firmengebäude in Obergerlafingen wurde zuvor Opfer eines Brandanschlages. Der Geschäftsführer der betroffenen Firma kämpft nun um seine Existenz.

Quelle: TeleM1

Urs Heutschi, Geschäftsführer und Inhaber der betroffenen Firma, redete von Aufbruchsstimmung: «Am Montagmorgen um halb sieben haben wir uns im Team umarmt, die Tränen abgewischt und uns entschieden, in die Zukunft zu schauen.» Innerhalb von drei Wochen müssen nun neue Lagerflächen gefunden werden. «Aufgeben kommt nicht in Frage», gibt er sich kämpferisch.

Auch die Familie Vögtli verlor am gleichen Wochenende ihre Existenzgrundlage. Ihre Schreinerei in Obergerlafingen ist ebenfalls niedergebrannt. Die Familie Vögtli feierte in Corgément den 10. Geburtstag der Tochter, als die Hiobsbotschaft der Brandstiftung sie erreichte.

17. Mai 2022 - 09:37

So besorgt ist die Bevölkerung im Wasseramt

Es wird darüber diskutiert, dass Patrouillen verstärkt werden sollen.

Radio 32

Verschafft man sich einen Überblick über die bisherigen Brände, kann man nur spekulieren, wo der Feuerteufel als nächstes zuschlagen will.

①2 Brände in und bei einer Tiefgarage in Biberist; 2.4.22 und 3.4.22
②Clubhaus der Hornusser in Halten; 3.4.22
③Stall in Halten; 10.4.22
④Stall und Futterhalle in Kriegstetten; 16.4.22
⑤Geräteschuppen in Kriegstetten; 16.4.22
⑥Waldhaus Recherswil; 22.4.22
⑦Waldhütte Naturschutzverein Halten; 8.5.22
⑧Bauernhof Kriegstetten; 14.5.22
⑨Lagerhalle Obergerlafingen; 15.5.22
⑩Schreinerei Obergerlafingen, 15.5.22
⑪Pferdestall Utzenstorf; 17.5.22
⑫Schulhaus Kriegstetten; 21.5.22

Foto: AZM Solothurn

Aufarbeitung ist bei der Feuerwehr noch im Gang

Die Feuerwehr von Recherswil stand mehrfach im Einsatz, um die Regio-Feuerwehr 4566 (Halten, Kriegstetten, Oekingen) zu unterstützen. So etwa beim Brand der Schreinerei. Knapp elf Stunden seien sie da mit «praktisch der ganzen Truppenstärke» auf dem Platz gewesen. Philip Brunner, Kommandant der Feuerwehr Recherswil, war vom Einsatz noch ganz heiser.

Seine Truppe sei sehr motiviert gewesen, die Schäden so gering als möglich zu halten. «Doch jedes Wochenende sind wir wie auf Nadeln.» Im Wasseramt habe es viele Landwirte; diese machen sich grosse Sorgen um ihre eigenen Höfe.

«Beklemmendes Gefühl von Ohnmacht»

In Halten, wo die Serie von Brandstiftungen vor sechs Wochen ins Bewusstsein der Bevölkerung rückte, spricht Gemeindepräsident Beat Gattlen von einem «beklemmenden Gefühl von Ohnmacht».

Dass hier seit Wochen nichts mehr angezündet wurde, führt er neben der Patrouillenarbeit der Polizei auf die Wachsamkeit der Landwirte zurück. Diese hätten ein scharfes Auge auf ihre Ställe und Scheunen. «Wer sich am Wochenende nachts im Dorf bewegt, wird angesprochen.»

Auf Betreiben des Gemeindepräsidenten von Recherswil, Hardy Jäggi, treffen sich die Gemeindevertreter von Halten, Oekingen, Kriegstetten, Obergerlafingen und Recherswil nun regelmässig. Denn es kann jede dieser Gemeinden als nächstes treffen.

Quelle: TeleM1, Solothurner Zeitung & Radio 32
veröffentlicht: 17. Mai 2022 09:47
aktualisiert: 5. Dezember 2022 11:24