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Foto: Radio 32
Paralympics

«Ich fuhr das Rennen meines Lebens»: Heinz Frei nach dem Gewinn seiner 35. Paralympics-Medaille

Dieser Mann versetzt die Welt immer wieder und immer noch in Verzückung: Rollstuhlfahrer Heinz Frei, wohnhaft in Oberbipp, ursprünglich aus Etziken. An den Paralympics in Tokyo holt sich Frei Silber im Strassenrennen – mit 63 Jahren.

Die 10. Sommer-Paralympics sollten die letzten sein, die Rollstuhlfahrer Heinz Frei in seiner langen Karriere bestreitet. Trotz seiner 63 Jahre hatte er sich regulär für die Olympischen Spiele für Sportler mit Körperbehinderung qualifiziert. Bereits am Dienstag sorgte der Etziker, der mittlerweile in Oberbipp wohnt, für ein Ausrufezeichen: Im Zeitfahren holt er sich mit dem 7. Rang ein Diplom.

Heinz Frei bei uns im Samstagsinterview: «Ich fuhr das Rennen meines Lebens»
10. September 2021 - 16:35

Heinz Frei bei uns im Samstagsinterview: «Ich fuhr das Rennen meines Lebens»

Radio 32

Doch Heinz Frei hat Grösseres vor. Im Strassenrennen schiesst der «Oldtimer» nach 2:35:34 Stunden über die Ziellinie – nur eine Sekunde hinter dem Sieger, dem 23 Jahre jüngeren Russen Ruslan Kusnetsow. Die Silbermedaille ist die 35. Olympiamedaille für Frei. Es war sein letztes Einzelrennen. Heinz Frei hat zum Schluss seiner Karriere noch mal eindrücklich bewiesen, welch ein Ausnahmesportler er ist.


Heinz Frei ist im Ziel-Interview überwältigt

Bei der Zielankunft in Fuji regnet es, doch das Gesicht von Heinz Frei ist nicht nur deswegen feucht. «Es sind mehr die Tränen als der Regen», so Frei. «Ich glaube, ich habe das Rennen meines Lebens gefahren», sagt er im SRF-Interview kurz nach Silber-Sieg. «Ich kann fast nicht sprechen, so überwältigt bin ich im Moment.»

«Ich meine, der Kopf wollte das schon, aber eigentlich ist es nicht normal, dass der Körper dies leisten kann.» Er habe wohl alles in die Waagschale geworfen, was überhaupt noch in seinem Körper gesteckt habe, so der ausgepumpte Frei nach dem Rennen.

«Ich habe keinen Bonus, wenn ich am Start bin», so der 63-Jährige. «Es ist nur die Leistung, die mich ans Ziel bringt. Heute war das härteste Rennen meiner Karriere, es war das emotionalste.» Und: «Diese Silbermedaille glänzt mehr als Gold.»


Gebührender Empfang: Mit Silber im Gepäck kehrt Heinz Frei aus Tokio zurück

Zehn Mal an den Paralympics dabei und 35 Medaillen geholt – diese phänomenale Bilanz kann Heinz Frei ziehen. Am Samstag ist der Paralympics-Held in Zürich gelandet und von vielen Fans erwartet worden.

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Quelle: TeleM1

Schlusspunkt einer einzigartigen Karriere

Heinz Frei wird am 28. Januar 1958 in Solothurn geboren. Ein Unfall fesselt den gelernten Vermessungszeichner als 20-Jähriger an den Rollstuhl. Bei der Streckenbesichtigung für einen Berglauf auf dem Seelisberg rutschte er im nassen Gras aus, stürzte eine Schlucht hinunter und blieb ohne Gefühle in den Beinen liegen.

Doch damit beginnt eine Bilderbuchkarriere. «Wäre ich nach dem Unfall zu lange im Selbstmitleid verharrt, wäre ich heute nicht da, wo ich bin.» 1984, mit 26 Jahren, nimmt Frei erstmals an Paralympischen Spielen teil. Mit einem selbst gebauten Rennrollstuhl gewinnt er den ersten je ausgetragenen Paralympics-Marathon.

10. September 2021 - 12:09

«Ich habe eine grosse Bereicherung erfahren»

Heinz Frei, rechts, und Erwin Zemp, links, am Start für den Zürich Marathon. (1984)
Foto: Keystone-SDA
Quelle: Radio 32
veröffentlicht: 8. September 2021 06:00
aktualisiert: 10. September 2021 16:41