Gegen ungefragte Penisbilder kann man vorgehen.
Foto: Getty Images
Ungefragt gesendet

600 Franken Strafe – so wehrst du dich gegen Penisbilder

Ein Aargauer hat im Frühling ein Bild seines Geschlechtsteils, ein sogenanntes «Dickpic», ungefragt an eine Frau verschickt. Nun wurde er verurteilt. Dagegen kann man übrigens dank einer speziellen Webseite vorgehen.

Plötzlich und ungefragt ein Bild eines (fremden) Mannes mit dessen Penis erhalten? Für viele Frauen kein Einzelfall. So auch für eine 47-Jährige, welche im Frühling 2022 plötzlich ein sogenanntes Dickpic via WhatsApp von einem 25-jährigen Mann aus dem Aargau erhalten hatte. Wie dem Strafbefehl zu entnehmen ist, forderte die Frau den Aargauer nie dazu auf, ihr ein solches Bild zu schicken. Damit machte sich der junge Mann strafbar, weil er «vorsätzlich pornografische Bildaufnahmen jemandem unaufgefordert angeboten hatte», heisst es im Strafbefehl. Er musste eine Busse in der Höhe von 200 Franken sowie die Gebühr von 400 Franken bezahlen.

Phänomen Dickpic – Muss man sich nicht gefallen lassen

Der Verein Netzcourage bietet in der Schweiz Hilfe für Opfer von digitaler Gewalt. Laut der Geschäftsführerin Jolanda Spiess-Hegglin zeigen Statistiken, dass jede zweite Frau in der Schweiz mit dem Phänomen Dickpic in Berührung kommt. «Viele Frauen wissen nicht, dass sie sich dagegen wehren können. Denn wer ungefragt ein Penisbild verschickt, macht sich strafbar», erklärt Spiess-Hegglin. Deshalb hat der Verein im letzten Jahr die Internetplattform «Netzpigcock» lanciert. Dort können Betroffene anonym und innerhalb von 60 Sekunden einen Strafantrag erstellen, wenn sie ungefragt ein Penisbild erhalten.

«Für viele Frauen ist es unangenehm, mit einem Penisbild auf einen Polizeiposten zu gehen. Dank ‹Netzpigcock› können sie einen Strafantrag schnell und anonym erstellen.» Wer beim Erstellen des Strafantrags zumindest seine Mailadresse hinterlegt, erhält eine Briefmarke, um den Antrag gratis an die zuständige Strafverfolgungsbehörde zu schicken. Dadurch erhofft sich der Verein, dass möglichst viele Opfer von Penisbildern den Strafantrag auch definitiv abschicken.

Die Schweizer Influencerin und LGBTQ-Aktivistin Anna Rosenwasser erklärt auf ihren Social Media Profilen in einem kurzen Video, wie einfach das geht:

Fälle von Penisbildern eher rückläufig

Laut der Aargauer Staatsanwaltschaft sind Fälle von ungewollt erhaltenen Penisbildern mittlerweile rückläufig. Ob das mit der Prävention zu tun hat oder die Gesellschaft solche Dickpics mittlerweile einfach akzeptiert, ist laut Mediensprecher Adrian Schuler nicht klar. «Die Thematik wurde öffentlich so stark behandelt, dass dies offensichtlich etwas bewirkt hat.» Für Schuler ist aber klar, dass Frauen heute keine Scham mehr haben, den ungewollten Erhalt von Penisbildern zur Anzeige zu bringen. «Viele Frauen finden das ungefragte Verschicken von solchen Bildern lächerlich und haben keine Mühe, dagegen vorzugehen. Diese Handlungsweise können wir nur unterstützen.»

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 12. September 2022 09:11
aktualisiert: 12. September 2022 09:15